Posted by Christoph on January 09, 19100 at 00:24:32:
In Reply to: Kunstlicht fьr Pflanzen posted by Hazel-Anne on January 08, 19100 at 22:29:32:

Ganz einfach: Pflanzen sind Sonnenlicht gewoehnt, welches man als weisses Licht bezeichnet. Da die Sonne in erster Linie ein Temperaturstrahler ist, kann man von einem kontinuierlichen Spektrum ausgehen. Das ist in der Praxis zwar nicht ganz der Fall, aber fuer Pflanzen spielen diese minimalen Abweichungen keinerlei Rolle.
Von diesem "weissen Licht" verwerten Pflanzen rotes und blaues Licht, waehrend gruenes Licht nicht absorbiert wird. Dieses wird reflektiert, sodass Pflanzen gruen erscheinen. Was man Pflanzen also anbieten muss, ist schlicht und ergreifen weisses Licht mit einer Farbtemperatur um die 6500 K, wie es die Sonne auch tut. Da gruenes Licht nicht absorbiert wird, darf dieses (muss aber nicht!) fehlen.
Somit scheiden Gluehlampen von vornherein aus, da sie mit einer Farbtemperatur von ca. 2700 K viel zu viel rotes Licht liefern. Bei zuviel rotem Licht vergeilen Pflanzen, d.h. bilden weiche, monstroese Triebe aus, die infolge mangelnder Stabilitaet oft abknicken. Sehr gut geeignet sind Metalldampflampen mit weissem Licht. Die haben einen hohen Wirkungsgrad (d.h. sind stromsparend), sind aber nicht ganz billig. Fast genauso gut sind Leuchtstoffroehren; dann aber nicht die in Wohnraeumen beliebten Warmtonleuchten (das Spektrum ist aehnlich schlecht wie das von Gluehlampen) sondern solche mit der Lichtfarbe Kaltweiss. Wenn Du noch ein wenig Strom sparen moechtest, kannst Du High-Efficiency-Leuchtstoffroehren verwenden. Die muss Dein Haendler u.U. bestellen, sind auch mit knapp 10 DM doppelt so teuer wie normale, rentieren sich aber ueber die Energieersparnis trotzdem innerhalb kurzer Zeit. Was uebrigens absolut nicht taugt, sind sogenannte Pflanzenlampen auf Gluehlampenbasis. Das sind Gluehlampen, die blau-violett eingefaerbt sind und fuer vergleichsweise viel Geld angeboten werden. Ausser Waerme, die bei bei zu kleinem Abstand den Pflanzen schadet, kommt dort kaum noch Licht raus. Die sind allemal schlechter als keine Leuchte.
Wichtig ist, dass die Beleuchtungsintensitaet hoch genug ist. Rein visuell meint man oft, es sei hell genug, weil eine Lampe im Vergleich zum Umfeld ja tatsaechlich eine Erhoehung der Leuchtstaerke bewirkt, aber absolut gesehen reicht eine kleine Funzel mit Sicherheit nicht. Zudem verringert sich die Beleuchtungsstaerke im Quadrat mit der Entferung. Am besten kaufst Du Dir einen billigen (ca. 20 DM) Beleuchtungsmesser und misst einfach mal nach, ob es -ja nach Pflanze- mindestens um die 700-1000 Lux anliegen. Einige Pflanzen (z.B. bestimmte Palmen) brauchen deutlich mehr. Falls nicht, muss noch eine Lampe her.
Ich ueberwintere schon seit Jahren meine wirklich zahlreichen Kuebelpflanzen mit bestem Erfolg unter Leuchtstofflampenlicht, und Aenhliches habe ich auch (welch' Wunder ;-) ) ueber Metalldampflampen gehoert.
Grundsaetzlich gilt: Bei kuehler Ueberwinterung braucht man nur wenig Licht, bei hoeherer Temperatur braucht man viel Licht. Beispiel: Der Oleander meiner Mutter ueberwintert bei um 5 Grad sehr dunkel ohne Probleme, waehrend bei um die 12-14 Grad in meinem Keller eine Beleuchtung unbedingt erforderlich ist.
Etwas durchschaubarer geworden? Weitere Infos zur Ueberwinterung gibt's in meiner Homepage.
Gruss
Christoph